Moos reinigt Abwasser

Moos reinigt AbwasserSauberes Trinkwasser ist in den Industrieländern längst eine Selbstverständlichkeit. Es ist ein teures Gut und Lebensmittel, denn in seine Abwasserreinigung und Aufbereitung werden immense Kraftanstrengungen investiert. Ist das, was aus der Wasserleitung sprudelt, jedoch wirklich sauber und wurde es von sämtlichen Rückständen befreit? Nach den geltenden Vorschriften ist dies der Fall. Sie berücksichtigen jedoch nicht ein Problem, welches seit langer Zeit sehr teuer und nur mit energieintensiven Reinigungsmethoden möglich ist. Eine unserer leistungsfähigsten Industrien ist die Pharmazie. In jeder Stadt und flächendeckend auf dem Land verkaufen Apotheken das, was später im Abwasser, teils in nicht abgebauter Form, wieder auftaucht. Schmerzmittel wie Diclofenac oder die Makrolid-Antibiotika werden im menschlichen Verdauungsprozess kaum verändert und gelangen in hohen Konzentrationen in die Abwasserkanäle. Das Gleiche gilt für die in der Antibabypille enthaltenen Hormone.
All diese Stoffe kommen in den Klärwerken an und können dort nur unzureichend oder mit aufwendigen Mitteln ausgefiltert werden.

Trinken die Menschen zukünftig belastetes Wasser?

Panikmache wäre sicherlich fehl am Platz und die heutigen Grenzwerte machen Trinkwasser fast ausschließlich zu einem genussfähigen Lebensmittel.
Über die Auswirkung aller Medikamentenrückstände im Trinkwasser ist jedoch leider noch zu wenig bekannt. Fest steht aber auch, dass der Arzneimittelkonsum ständig zunimmt und die Probleme größer werden. Mit herkömmlichen Reinigungsmethoden am Abwasser sind sie nicht mehr oder nur äußerst energieintensiv zu bewältigen. Diese Tatsache hat ein Forschungsteam der Technischen Universität in Freising bei München auf den Plan gerufen. Bei ihnen blubbert in den Labors eine wässrige Brühe in den Glaskolben und auf weißem Vlies wachsen kleine, hellgrüne Moose.
Moos reinigt AbwasserPhyscomitrella patens heißt dieses außergewöhnliche Moos. Sein deutscher Name lautet Kleines Blasenmützenmoos. Es ist äußerst genügsam und benötigt nur Licht, Kohlenstoffdioxid und Wasser, um zu wachsen. In seiner herkömmlichen Form wäre auch dieses Moos nicht in der Lage, Medikamentenrückstände aufzunehmen und abzubauen. Die Mitglieder des Freisinger Forschungsteams machen sich jedoch die Möglichkeiten der synthetischen Biologie zunutze und haben das Kleine Blasenmützenmoos gentechnisch verändert. Sie haben ihren Mooszellen kleine Bausteine aus ihrer DNA zugeordnet. Mit diesen Bestandteilen ihres Erbgutes ist ein transgenes Moos entstanden, dessen Eigenschaften der natürlichen Abwasserreinigung nützlich sind. Das Moos bildet Proteine, die in der Lage sind, eben diese Medikamentenrückstände zu binden und abzubauen. Es stellt die Enzyme her, mit denen Diclofenac, Hormone und Antibiotika nicht mehr im aufbereiteten Abwasser verbleiben. Die Studenten haben ihrem transgenen Moos deshalb den Namen „Physco-Filter“ gegeben. Kürzlich haben sie es in Lyon beim iGEM-Wettbewerb präsentiert und hoffen auf eine gute Bewertung der Jury.

Kann Gentechnik bei Moos in der Abwasserreinigung gefährlich sein?

Das Forschungsteam der Technischen Universität Freising hat sich auch dem Problem genveränderter Organismen in der freien Natur gewidmet. Wenn der Physco-Filter zukünftig in der Abwasserreinigung zum Einsatz kommen soll, darf er nicht unkontrolliert in die Umwelt gelangen. Die Studenten sind dabei zu einer Lösung gekommen, die verblüfft.
Sie haben dem Moos einen weiteren Bestandteil ihrer DNA gezielt zugeordnet. In diesem Fall besteht dieser Baustein aus einem Enzym, welches das Erbgut des Physco-Filters mittels einer Nuclease zerstören kann. Dieses Sicherheitssystem wird aktiv, sobald das Moos unkontrolliert ins Freie gelangt. Sein Prinzip besteht darin, dass das Moos in der freien Natur unter einer blauen Folie wachsen muss. Diese Folie filtert den Rotlichtanteil der Sonne aus und bewahrt das Moos vor diesem schädlichen Einfluss. Sollte es durch irgendwelche Umstände aus der schützenden Folie gelangen, stirbt es sofort ab. Damit wird solchen Eventualitäten wie der Mitnahme des Mooses durch Vögel oder bei einem unkontrollierten Austreten begegnet. Den Abbau von Medikamentenrückständen aus dem Abwasser konnten die Studenten bereits nachweisen und präsentieren. Zur Funktion des eingebauten Notschalters sind noch weitere Versuche erforderlich. Sie sind jedoch zuversichtlich, dass ihr Physco-Filter zukünftig die Beseitigung von Diclofenac, Antibiotika und Hormonen aus dem Abwasser effizienter gestalten wird.

Gartenexperte

Ich bin seit vielen Jahren im Onlinehandel tätig und interessiere mich insbesondere für den Bereich Social Media im Handel. Meine Blogthemen erscheinen in lockeren Abständen und sollen unterhalten - sind aber facettenreich und reichen von alltäglichen bis speziellen Themen.

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